Karen in Action: Heißer Tanz in Rio | Video der Sendung vom 08.12.2022 07:30 Uhr (8.12.2022) mit Untertitel
Heißer Tanz in Rio
Reporterin Karen Markwardt zieht es heute in die Ferne: Sie fliegt nach Rio de Janeiro - die zweitgrößte Stadt Brasiliens mit mehr als sechs Millionen Einwohnern. Hier ist sie verabredet mit Bernhard Hendrik Hermann Weber Ramos de Lacerda alias MC Gringo. Er ist in Stuttgart geboren, lebt aber seit mehr als sieben Jahren in Rio. Er hat Karen versprochen, ihr zu zeigen, was es nur in Rio gibt und nirgendwo sonst auf der Welt. MC Gringo hält sein Versprechen und so lernt Karen die Capoeira kennen. Das ist eine Mischung aus Kampf und Tanz, die vor mehr als 300 Jahren von den Sklaven aus Afrika erfunden wurde. Weil sie sich nicht verteidigen durften, versteckten die Zwangsarbeiter eine ausgeklügelte Kampftechnik hinter einem harmlos wirkenden Tanz. Bei der Capoeira geht es daher um Körperbeherrschung, Schnelligkeit und Akrobatik, gepaart mit Musik und Rhythmus. Capoeira ist der perfekte Sport für Karen. Und MC Gringo hat auch einen Trainer für sie: Pejiboy. Das ist sein Spitzname, wie ihn alle Capoeirista haben. Pejiboy bedeutet, dass er immer und viel arbeitet. Zum Training wird Karen von Kevin begleitet. Der kommt eigentlich aus Hamburg, wo er schon seit vielen Jahren die Capoeira tanzt. Jetzt ist er aber für ein Jahr nach Rio gezogen, um die Capoeira richtig zu studieren. Kevins Capoeira-Spitzname ist Mr. Bean, weil er dem englischen Komiker so ähnlich sieht. Von Pejiboy und Mr. Bean lernt Karen die Grundbewegungen der Capoeira: Auf einen Angriff folgt immer eine Verteidigung. Die Partner stellen sich in ihren Bewegungen aufeinender ein, ähnlich wie bei Frage und Antwort. Karen lernt schnell. Pejiboy lädt sie deshalb ein, mit ihm und seinen Freunden in der Roda zu tanzen, so nennt sich der Kreis, in dem immer zwei Capoerista gegeneinander antreten. Vorher will MC Gringo Karen aber noch etwas anderes zeigen, was es nur in Rio de Janeiro gibt. Er führt sie auf einen Fußballplatz mitten in einer Favela, also in einem Armenviertel. Fast 1000 solcher Favelas gibt es allein in Rio. Eine Favela wird oft von einem mächtigen Drogenhändler beherrscht. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei oder zu Kämpfen verfeindeter Drogengangs. Viele auch unschuldige Menschen sterben dabei, und viele Kinder haben deshalb Vater oder Mutter verloren. Damit diese Kinder einen Sinn im Leben bekommen, spielt Orlando mit ihnen Fußball. Fußball, sagt Orlando, sei die beste Waffe, um Kinder davor zu bewahren, selbst kriminell zu werden. Orlando trainiert mehr als 150 Jungen und Mädchen. Sein bester Schützling ist der 12jährige Cafu, ein wahres Fußball-Talent. Cafu lädt Karen zu sich nach Hause ein. Dort lebt er gemeinsam mit seiner Schwester und seinem Vater in einer winzigen Wohnung, und seine Mutter hat die Familie schon lange verlassen. Cafu hat einen großen Traum: Er will Fußballer werden. Und wenn das nicht klappt, sagt Cafu, wird er eben Leichtathlet.
Bild: BR/Axel Lischke