Kunst, Raub und Rückgabe ‧ Vergessene Lebensgeschichten: James von Bleichröder | Video der Sendung vom 20.04.2025 23:20 Uhr (20.4.2025) mit Untertitel

James von Bleichröder

James von Bleichröder (1859 bis 1937) – Rennsportfan, Kunstsammler, Lebemann. Teil der Berliner Bankiersdynastie Bleichröder. Vater Gerson war Privatbankier Bismarcks, finanzierte u. a. den Krieg von 1870/ 71 mit. Eine jüdische Familie, der die Nationalsozialisten später großen Schaden zufügten. Und von der heute nur wenige Spuren in Berlin übrig sind. Privatvillen und Geschäftsgebäude abgerissen. Selbst das Familienmausoleum wurde vom DDR-Regime zerstört. Dort steht jetzt eine Gedenkstätte für Sozialisten. James von Bleichröder hat vor allem im Rennsportbereich bis heute ein Erbe hinterlassen. Er war sehr aktiv beteiligt in der Gründungsphase des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Gegründet im Jahr 1899 in Berlin gibt es den AvD heute weiterhin, mit derzeit rund 1,4 Millionen Mitgliedern. Von Bleichröder fuhr selbst Rennen, zudem war er damals in der Motorsportkommission ebenso wie in der Luftschifffahrtkommission des AvD. Er gilt als technikbegeistert. Zu den Interessen von James von Bleichröder zählte auch die Kunst. Wie genau sich seine Kunstsammlung gestaltete, das weiß heute niemand mehr. Fest steht jedenfalls, dass eines der Werke aus der ehemaligen privaten Kunstsammlung von Bleichröders heute im Schloss Johannisburg in der bayerischen Stadt Aschaffenburg ausgestellt ist. Es handelt sich um „Die Auferweckung des Lazarus“. Gemalt von einem unbekannten Künstler aus dem Schwäbischen, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. „Die Auferweckung des Lazarus“ – ein biblisches Motiv. Und dahinter steckt ein Muster, so die Forschung. Denn sehr oft kauften in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wohlhabende jüdische Familien Kunst mit christlichen Motiven. Als Ausweis dessen, dass sie zur christlich dominierten Gesellschaft dazugehören, eine Art freiwillige Assimilation um sich in den deutschen Mainstream von damals nahtlos einzufügen. Die „Auferweckung des Lazarus“ hängt heute wegen ihres kunsthistorisch hohen Werts in der Zweigstelle der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Aschaffenburg, Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben sich vor einigen Jahren mit den restitutionsberechtigten Bleichröder-Nachfahren darauf geeinigt, das Gemälde von diesen zurückzukaufen. Zurück zum Leben des James von Bleichröder: Auch außerhalb von Berlin hatten Mitglieder der Bleichröder-Dynastie Anwesen, so auf der Insel Usedom an der Ostsee, ebenso im oberbayerischen Voralpenland, nahe der Stadt Weilheim. Ein skurril wirkender Seitenaspekt in der Biographie von James von Bleichröder ist, dass er eines Tages dem Berliner Zoo ein lebendes Nilpferd schenkte. Details leider unbekannt. Insgesamt ist es dank fehlender Quellenlage schwer, ein zusammenhängendes Bild des Lebens und Wirkens von James von Bleichröder zu machen. Aus den Versatzstücken, die man heute noch kennt, entsteht das Bild eines Lebemanns, der auch schon gerne mal über die Stränge schlug, sich sogar mindestens einmal mit Prostituierten in der Öffentlichkeit gezeigt hat. Ob dieses Bild dem echte


Bild: BR / Ulrich Knorr