Kunst, Raub und Rückgabe ‧ Vergessene Lebensgeschichten: Max Stern | Video der Sendung vom 20.04.2025 23:35 Uhr (20.4.2025) mit Untertitel
Max Stern
Düsseldorf, Königsallee. Dort betrieb die jüdische Familie Stern viele Jahre erfolgreich eine Kunstgalerie. Firmeninhaber Max Stern (1904 bis 1987) musste in den 1930ern vor den Nationalsozialisten fliehen. In Montreal baute er ein neues Leben auf, wurde ein bedeutender Förderer der modernen Kunstszene Kanadas. Iris und Max Stern starben kinderlos, ihre private Kunstsammlung haben sie an die beiden kanadischen Universitäten McGill sowie Concordia und an die Hebrew University in Jerusalem vererbt. Das Jahr 1904 in Deutschland und der Welt: der Erste Weltkrieg ist noch nicht absehbar damals, stattdessen tobt ein Konflikt zwischen Japan und Russland. In den USA wird Theodore Roosevelt zum Präsidenten wiedergewählt. In England entsteht die Automarke Rolls-Royce. In New York City wird die erste U-Bahn-Strecke überhaupt in dieser Stadt eröffnet. Der Fußballverein Bayer 04 Leverkusen wird in Deutschland gegründet und in Mönchengladbach wird am 18. April 2025 Max Stern geboren. Dass Max Stern eines Tages eine familieneigene Kunsthandlung leiten würde, gelegen an der prominenten Düsseldorfer Königsallee, das ist damals noch nicht vorgegeben. Julius Stern, der Vater von Max, versucht sich zunächst als Textilunternehmer in Mönchengladbach. Die Stadt ist damals das „Manchester“ Deutschlands, ein boomender Standort der Textilindustrie. Doch Julius Stern hat keinen anhaltenden Erfolg in der Textilbranche. Und so beschließt er – notgedrungen vielleicht, wer weiß es - in den Kunsthandel zu wechseln. 1913 eröffnet Julius Stern eine Kunsthandlung in der Königsallee 23 bis 25 in Düsseldorf. Die „Kö“ ist damals die zentrale Meile für Galerien und Kunsthandlungen in der Stadt. Max Stern promoviert in Kunstgeschichte an der Universität Bonn und schafft damit auch die fachliche Grundlage, um dann später, im Jahr 1934, die Kunstgalerie des krank gewordenen Vaters zu übernehmen. Kein guter Zeitpunkt, wenige Monate zuvor haben die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffen. Schon 1935 wird der Jude Stern von den Behörden aufgefordert, seine Galerie innerhalb von nur vier Wochen zu schließen. Immerhin gelingt es ihm, die Frist wiederholt zu verlängern. Im Jahr 1937 werden dann auf Betreiben Sterns 228 Kunstwerke beim Auktionshaus Lempertz in Köln zur Versteigerung aufgeboten. Stern verlässt Deutschland in Richtung England. Und wird dort verhaftet. Als sogenannter „enemy alien“, man könnte auch sagen als Deutscher, dessen Land sich damals mit England im Krieg befand, wird er vorsichtshalber interniert. Später führt ihn sein Lebensweg nach Kanada, wo er in Montreal die Dominion Gallery eröffnet und mit viel Engagement aufstrebenden jungen Künstlerinnen und Künstlern in der damaligen modernen Kunstszene Kanadas zum Durchbruch verhilft. Eine Lebensleistung, für die er später auch geehrt wird. Bis zu seinem Tod arbeitet Max Stern rastlos, stirbt 1987 im Alter von 84 Jahren auf einer Dienstreise. Eines der Kunstwerke aus der einstigen privaten Kunstsammlung von Max S
Bild: BR / Ulrich Knorr